„Na, hältst Du Dir den Donnerstag immer noch von Terminen frei?“ fragte mich letztens schmunzelnd ein Freund, den ich nach mehreren Jahren mal wieder in einer Berliner Kneipe traf. Es war ihm
im Gedächtnis geblieben, dass ich an einem Donnerstag keine Termine im Vorhinein machte, um an diesem Tag auf Überraschendes reagieren zu können. Denn das war der Donnerstag für mich aus seiner Grundstimmung heraus, was das „Donnern“ im Namen ja auch schon erahnen lässt: Ein Tag der Überraschungen. Das hatte ich nach langen Jahren intensiver Beschäftigung mit den Wochentagen herausgefunden.
Dabei hatte ich ursprünglich gar nicht vorgehabt, mich so ausgiebig mit diesem Thema zu beschäftigen. Aber wie es halt so ist: Nebenwege entwickeln sich manchmal zum zentralen Weg. Etwas, was man „mal so eben“ begann, entpuppt sich mit der Zeit als eine Lebensaufgabe.
Auf jeden Fall erging es mir so, als ich mich vor fast dreißig Jahren daran machte, „mal eben“ einen Wochenplan zu erstellen, um für meine privaten und beruflichen Tätigkeiten den passenden Zeitpunkt in der Woche zu finden. Ich erhoffte mir davon, effektiver studieren und anderes, was mir eher lästig war, auf einen Zeitpunkt legen zu können, an dem es mir leichter von der Hand ging.
Vielleicht entstand der Wunsch für diesen Wochenplan aber auch nur in mir, weil ich als ein an der Ostsee aufgewachsener leidenschaftlicher Surfer mit der Zeit ein gesundes Misstrauen für falsche Zeitpunkte erlangt hatte und nun intuitiv diese Erfahrung auf mein restliches Leben übertrug. Zu oft war ich in einer Sandbank mit meinem Brett hängengeblieben und hatte durch teils schmerzvolle Stürze gelernt, was es heißt, das Segel zu früh oder zu spät in den Wind zu halten....
Ich hatte schnell gemerkt: Am besten komme ich über Untiefen, wenn ich mich in das Gesamte einfüge und mir die richtige Welle aussuche… die mich dann wie von selbst über die Gefahrenstelle hinweg trägt.
Oder wollte ich doch nur etwas meinem schlechten Gewissen entgegensetzen? Meine Kommilitonen verzichteten nämlich mit fortschreitendem Studium im Gegensatz zu mir zunehmend auf´s Tanzengehen und Feiern, was ich geradezu als kontraproduktiv empfand, denn ich hatte die Erfahrung gemacht, dass ein gesundes Maß an Freizeit meiner Motivation und meinen Leistungen in der Universität zugutekam. Das Tanzen hielt schließlich den Körper fit und die regelmäßigen Museumsbesuche, auf die ich brennende Lust verspürte, die aber vordergründig so gar nichts mit meinem Studium zu tun hatten, machten für mich Sinn, weil sie meinen Geist beweglich hielten. Etwas für den Körper und seine Kreativität zu tun konnte doch nicht schlecht sein, sagte ich mir, und ordnete ihnen trotzig die ihnen in meinen Augen passenden Zeitpunkte in der Woche zu, in denen ich mir solchen „Luxus“ leistete.
Warum auch immer: Nach und nach entstand so durch achtsames Nachspüren und Ausprobieren “Mein Wochenplan“, der alle meine Bedürfnisse berücksichtigte und nach dem ich mich in der Folgezeit peinlichst genau richtete. Mit Erfolg, wie ich rückblickend sagen kann, denn so vermied ich nicht nur die allgemeine Prüfungspanik vieler meiner Mitstudenten: Ich war im Gleichgewicht, druckfreier, entspannter und strukturierter als viele andere. Oder auf der Welle, wie ich als Surfer sagen würde. Tanzen ging ich regelmäßig mittwochabends, in´s Museum schließlich freitagnachmittags. Ich erinnere mich gut daran, dass manchmal Kommilitonen mich fragten, wie es denn sein könne, dass ich Prüfungen, bei denen so viele durchfielen, bestand; denn ich hätte ja nicht viel Zeit haben können zum Lernen bei all den Aktivitäten, die ich „nebenbei“ so betrieb. Für mich aber war klar: Mein Wochenplan, der allen meinen Bedürfnissen ihren Raum gab, ließ mich letztendlich nicht nur erfüllter und glücklicher leben, sondern auch effektiver und motivierter arbeiten als andere!
Nach diesen Erfolgen entwickelte ich mit der Zeit den Ehrgeiz herauszufinden, ob sich meine Überlegungen zum Wochenaufbau nicht auch auf den Aufbau eines ganzen Jahres übertragen ließen. Ich stellte mir die Frage, ob es nicht analog zu den Wochentagen auch Jahreszeiten gab, in denen mir bestimmte Tätigkeiten gut und andere wieder nicht so gut von der Hand gängen. Und tatsächlich stellte ich nach und nach fest, dass sich meine Erkenntnisse, die ich zum Aufbau der Woche erlangt hatte, auch auf das Jahr und, nachdem ich später noch weiter forschte, sogar auf die Jahrsiebte anwenden ließen. Und dann kam noch die Übertragung auf jeden einzelnen Tag an die Reihe: Ich sehe heute noch, neben meinen sehr farbigen Wochen- und Jahreskalendern, meine selbstgebastelte Uhr über der Küchentür, deren buntes Ziffernblatt den Tag in sieben Teile einteilte.
Mit der Zeit entwickelte ich immer genauere Vorstellungen davon, wie meine Seele „tickt“, im wahrsten Sinne des Wortes, und bald wurde es für mich selbstverständlich, mir jederzeit bewusst zu machen, wo ich mich zeitlich gerade befand: In welchem Jahr, in welchem Jahresabschnitt, an welchem Wochentag... und traf manchmal vor diesem Hintergrund einige für meinen Freundes- und Kollegenkreis merkwürdige Entscheidungen: Im Studium fiel ich zum Beispiel dadurch auf, dass ich donnerstags, selbst wenn wichtige Klausuren anstanden, ich mich nicht wie alle anderen zum Lernen zurückzog, sondern, da ja Donnerstag, durchaus auch mal einen Ausflug ins Fränkische mit Biergartenbesuch machte. Oder später im Beruf zögerte ich einen Projektbeginn gegen äußere Widerstände teilweise so lange hinaus, bis in meinen Augen der stimmige Zeitpunkt für Neues gekommen war.
Es ist nicht immer leicht, als Surfer die Welle zu reiten, wenn man nicht alleine auf dem Brett steht. Doch da ich im Studium meine Klausuren in der Regel bestand und später auch meine beruflichen Projekte erfolgreich umsetzte, wurden immer mehr Menschen auf meine Forschungen aufmerksam und suchten das Gespräch mit mir. Schon bald wurde mir klar, dass nicht nur meine eigene Seele, sondern auch die Seelen aller meine Freunde und Kollegen, diesem von mir gefundenen Rhythmus folgten, so dass mein Timing zunehmend Nachahmer fand. Schließlich konnte es nicht ausbleiben, dass ich immer öfter um Rat in Zeitfragen gebeten wurde. So entschloss ich mich, meine Energien zu bündeln und Seminare zu diesem Thema anzubieten.
Nun war ich kein ausgesprochener Experte zu den Themen Astronomie, babylonische Geschichte oder germanische Götter; Felder, die mit der Geschichte der Entstehung unserer heutigen Woche zu tun haben und von denen jedes einzelne ganze Bibliotheken füllt.
Alles, was ich hier beschreibe, basierte ursprünglich auf Selbstbeobachtung. Erst anschließend habe ich entsprechende Literatur studiert und geschaut, was meine Thesen stützt und was ihnen eventuell widerspricht. Dann habe ich meine Regeln aufgestellt, danach gelebt und sie weiter an das, was ich erkannte, angepasst. Mein Maßstab war immer: Tun, was funktioniert, auch wenn es teilweise anderen Konzepten widersprach. Auch schaute ich immer, ob das, was ich in meinem Leben feststellen konnte, sich auch bei anderen zeigte.
Bei meinen Forschungen hatte ich nach einiger Zeit, nachdem ich erst einmal erkannt hatte, dass es sich beim Wochenrhythmus nicht alleine um den Aufbau unserer Woche handelt, sondern um einen viel umfassender geltenderen Rhythmus der Seele, keine Probleme mehr damit, kräftig zwischen den einzelnen Zeitebenen hin und her zu wechseln, und beispielsweise Stimmungen und Gefühle, die ich zu bestimmten Jahreszeiten empfand, auf die Wochentage, die diesem Jahresabschnitt entsprechen, zu übertragen. Oder wenn es bestimmte Ereignisse in meinem „Dienstagsjahr“ gab, schaute ich ergänzend, ob ich sieben oder vierzehn Jahre vorher vielleicht Vergleichbares erlebt hatte, und rundete damit mein Bild auch über den Dienstag als Wochentag weiter ab.
Heute lese ich keinen Zeitungsartikel und führe kein Gespräch mehr, ohne instinktiv innerlich mitzurechnen, in welchem Lebensjahr der oder dem Betroffenen etwas geschah, oder wann sie oder er etwas Wesentliches tat, und ich muss sagen, ich bin im Laufe der vielen Jahre noch keiner Biographie begegnet, die nicht dem allgemeinen Rhythmus der Seele gefolgt wäre. Insofern schreibe ich dieses Buch aus der tiefen Gewissheit heraus, dass alles was ich hier beschreibe für jeden auf sein eigenes Leben anwendbar und, vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen aus den Seminaren und Coachings, für jeden auch nachvollziehbar ist.
Neben der Absicht, mit diesem Buch mein Wissen weiterzugeben, ist es vor allem der Wunsch, dass dieses Buch dem Leser dabei hilft, das Leben gelassener zu leben, der mich motiviert hat, dieses doch ziemlich zeitaufwändige Vorhaben in Angriff zu nehmen. Ich würde gerne mit meiner Arbeit zur Vergrößerung des Bewusstseins dafür beitragen, dass alles im Leben halt nun mal seinen vom Rhythmus der Seele vorgegebenen Zeitpunkt hat und sich im Rückblick nichts von Bestand „gegen die Welle“ hat erzwingen lassen. Viele fühlen sich heute ja als ständig Getriebene und der sogenannte Burnout breitet sich fast epidemisch aus.
Ich würde mich freuen, wenn ich möglichst viele dafür begeistern könnte, das Leben einmal durch diese „Brille“ zu sehen. Das Risiko ist relativ gering, denn das Wissen über den Rhythmus unserer Seele ist nicht neu. Alles ist althergebracht, uraltes überliefertes Wissen. Ich habe es nur neu aufgeschrieben. Ich bin mir sicher, es kann vieles im Leben verändern!
Vielleicht raucht manchem beim Lesen dieses Buches ab und zu mal der Kopf oder Du sperrst Dich gegen eine Information. Mein Tipp: Einfach weiterblättern! Vieles wiederholt sich und manches versteht man etwas besser, wenn es von einer anderen Richtung aus, in einem anderen Zusammenhang, erzählt wird. Und auch einfach mal das Buch liegenlassen wird nicht schaden. Kaum einer, der sich auch nur etwas mit dem Rhythmus der Seele beschäftigt hat, bekommt es meiner Erfahrung nach wieder aus dem Kopf und, einmal angefixt, reizt es einen doch, immer mal wieder nachzuschlagen, was denn nun über einen Tag oder ein Jahr geschrieben wurde... und so findet man mit etwas Glück auch in die anderen Kapitel wieder rein.
Nebenwege entwickeln sich manchmal zum zentralen Weg. Die Beschäftigung mit den Wochentagen ist für mich ein Hauptthema in meinem Leben geworden und die Antwort auf die Frage, warum ich gerade in einem „Donnerstagsjahr“ mit Mitte zwanzig anfing, mich mit den Wochentagen zu beschäftigen, die habe ich mittlerweile auch gefunden. Denn natürlich hat auch der Beginn eines „Nebenweges“ seine ganz bestimmte Zeit...
